In Tchibos Marketing-Abteilung klatscht man sich wohl regelmäßig begeistert in die Hände – oder hat den Bezug zur Lebensrealität des deutschen Normkunden („Kernverwender“ im Marketing-Sprech) völlig verloren. Oder beides.
Denn was Tchibo auf den Markt wirft, ist entweder genial-verkaufsfördernde „uniqueness“, die ihresgleichen niemals finden wird, oder einfach gezielter (Nicht-)Verkauf von Sperrmüll.
Tchibo: Nächster Halt Absurdistan
Wäre Tchibo ein Raumschiff, hätte es sich nicht nur ganz real von irdischen Bedürfnissen abgekoppelt, es flöge geradewegs in Richtung eines Planeten, auf dem Nischen-Begehren regieren. Denn wer braucht Produkte wie die mittlerweile legendäre „Schminkbrille“? Ein Utensil im Chic von Lese-Brillen, die im Supermarkt ganz vorne in Gitterwannen herumliegen, mit herunterklappbarem Glas. Damit der Lidstrich dann schielend trotzdem daneben geht.
Auch bekannt: Der „Identitätsschutz-Stempel“. Wer alte Versand-Kartons wiederverwenden will, kann mit dem Roll-Stempel alte Adress-Aufkleber unkenntlich machen. Wer dafür partout keinen Lack-Marker bekannter Hersteller verwenden will, muss vielleicht Identitätsdiebstahl befürchten, muss aber sicher nicht so lange in der Schublade suchen.
+++ Tchibo: Genial! Mit diesem Produkt hat der Staubsauger ausgedient +++
Tchibo: Coffee-to-ride
Auch clever: Ein Kaffeebecherhalter für das Fahrrad. für den „Coffee-to-ride“. Klingt erstmal nach einer tollen Idee, bis der easy rider mit dem Fahrrad den ersten Bordstein oder auch nur einen Ast überfährt. Da lohnt es sich mehr, die „Feine Milde“ oder andere Kaffees von Tchibo vor der Fahrt herunterzukippen – oder wenigstens die Hälfte des Bechers, für verbesserte Konzentration.
So lustig das alles sein mag, so durchdacht scheint die Strategie des Kaffee-Riesen zu sein. Denn immerhin bedient die alteingesessene Kette überhaupt Bedürfnisse, von denen man nicht wusste, das man sie hat. Oder die tatsächlich da sind, etwa wenn Omas Kassettenspieler kaputt ist. Tchibo hatte da was im Angebot, da waren die 90er lange vorbei. Oder eine Leselampe, die sich an die Brille klemmen lässt. Haben sich nicht wenige Brillenträger tatsächlich schon gewünscht.
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Letztendlich hat sich Tchibo bei aller Belustigung einen Namen mit skurillen Produkten gemacht. Jeder kenn mindestens eins – und jeder weiß, egal wie verrückt das Vorhaben ist: „ich geh mal zu Tchibo“. Vielleicht für die Doppel-Spülbürste, bei der zwei Bürsten an ihren Enden miteinander verbunden sind? Eine für da Klo, die andere…ach lassen wir das.