Finnland zieht die Notbremse – wegen Wladimir Putin! Das nordeuropäische EU-Land will bis zum Sommer aus dem Ottawa-Abkommen aussteigen, das die Produktion, den Einsatz und die Weitergabe von Antipersonenminen (APM) verbietet.
Premierminister Petteri Orpo verkündete die Entscheidung am Dienstag und sorgte damit für Aufsehen in Europa. Aber auch Polen, Litauen, Lettland und Estland könnten folgen.
Wegen Putin: Rückfall in alte Kriegszeiten?
Der Minenexperte Henrique Garbino warnt gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ vor den Konsequenzen. Er sieht den Grund für den Rückzug aus dem internationalen Vertrag jedoch klar bei Putin.
„Die Angst vor einer russischen Invasion bringt die Staaten dazu, ihre Verteidigung aufzurüsten. Landminen werden wieder als Mittel zur Abschreckung betrachtet.“ Doch Garbino warnt: Der Einsatz von Antipersonen-Minen könnte Europa zurück in die düstersten Zeiten der Geschichte führen: „Wie im Ersten Weltkrieg.“
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Der Ukraine-Krieg hat Finnland und andere europäische Staaten alarmiert. Die finnische Regierung sieht sich gezwungen, sich auf die mögliche Bedrohung vorzubereiten. Experten warnen jedoch, dass Minen militärisch kaum Vorteile bringen, dafür aber Zivilisten gefährden.
Garbino erklärt gegenüber der „SZ“: „Die taktischen Vorteile von Minen sind begrenzt. Oft behindern sie die eigene Armee mehr als den Gegner. Gleichzeitig bleiben die Gefahren für die Zivilbevölkerung langfristig bestehen.“
Dominoeffekt in Europa?
„Die Vorstellung, dass Minen die Russen aufhalten, ist militärisch fragwürdig“, meint Garbino. „Es erinnert eher an die Stellungskriege des Ersten Weltkriegs.“
Dennoch wächst die Sorge vor Putins militärischen Plänen und die EU-Staaten setzen zunehmend auf Verteidigungsmaßnahmen, die vor Jahren undenkbar schienen. Der mögliche Austritt Finnlands aus dem Ottawa-Abkommen könnte eine Welle auslösen.
Denn nicht nur Finnland, sondern auch andere osteuropäische Staaten sehen in Putins Vorgehen in der Ukraine eine direkte Bedrohung. Litauen, Lettland und Polen haben ebenfalls angekündigt, ihre Haltung zu Landminen zu überdenken.